25 Mal Vielfalt statt Einfalt (1995 – 2019)

Informationen zum 25. CSD in Oldenburg am 15. Juni 2019

(RoZ) Oldenburg. Der CSD Nordwest – eine Erfolgsgeschichte, wie man an den Zahlen zum letzten Jahr ablesen kann. Ein Rekord jagte den anderen: 11.000 Teilnehmer_Innen und 5.000 Zuschauer_Innen am Straßenrand. Doch damit nicht genug: Allein 32 Gruppen, darunter drei Schulen und der Stadtschülerrat hatten sich 2018 zur Demo angemeldet. Das war der größte CSD Nordwest überhaupt. Und auch für dieses Jahr zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Grandios und eine organisatorische Herausforderung für den CSD Nordwest e.V.. Unter dem Motto „25 Mal Vielfalt statt Einfalt“ wird 2019 demonstriert. Sei dabei!

Anmeldung Wagen oder Infostand bis 31.05.

Und damit Organisatorisches vorweg, weil zeitkritisch, der erste wichtige Termin: bis zum 31.05. können noch Wagengruppen und Infostände auf dem Schlossplatz angemeldet werden. Auf der Homepage www.csd-nordwest.de stehen unter Anmeldung CSD 2019 zwei Onlineformulare bereit. Alle relevanten Informationen wie Aufstellungsort der Wagen, Uhrzeiten u.a. werden den Teilnehmenden noch bekannt gegeben.

25 Mal CSD Nordwest in Oldenburg

Wie der CSD 1995 nach Oldenburg kam, liest sich am einfachsten in einem Artikel der taz aus 1998: „Das traumatische CSD-Erlebnis für die Bremer Schwulen- und Lesbenszene, es liegt nun vier Jahre zurück. Von dem Krach, den es 1994 beim ersten Christopher Street Day seit 13 Jahren gab, hat sich die Szene in der Hansestadt scheinbar noch immer nicht erholt. Linke Schwulengruppen befürchteten damals die Kommerzialisierung des eben erst revitalisierten Festes. Von der 200-köpfigen Feiergemeinde war eine kleine Polit-Gruppe damals als störend genug empfunden worden, um die Polizei um Hilfe zu bitten – mit der man sich in der New Yorker Christopher Street 1969 immerhin Straßenschlachten geliefert hatte. Der Eklat war da. Seitdem liegt die CSD-Kultur in Bremen brach. Des einen Leid, der andren Freud: So tingelt die Szene seit nunmehr vier Jahren in dieser Jahreszeit regelmäßig nach Oldenburg, um dort so bunt wie möglich der Proteste von 1969 zu gedenken“.

Bei Cord im Zwitscherstübchen ist Volksfeststimmung angesagt, der Wagen der Männerfabrik beschallt den Bahnhofsplatz mit Discosound. Passanten bleiben stehen und wundern sich, eine ältere Dame wünscht uns lächelnd viel Spaß. Schließlich soll der Zug in die Kaiserstraße formiert werden, 11 Motorräder bilden die Spitze. Hinter uns geht die Post ab. (1995, Rosige Zeiten, Nr. 39)

1995 wurde zum ersten Mal in Oldenburg unter dem Motto „Gemeinsam sind wir unausstehlich“ demonstriert. Dies war jedoch nicht der Grund, weil es in Bremen gekriselt hatte sondern der CSD Nordwest sollte jedes Jahr in einer anderen Stadt des Nordwestens stattfinden, worin sich auch der Name Nordwest begründet. Der Name sollte ferner verdeutlichen, nicht nur für die Community in Oldenburg, sondern im ganzen Nordwesten da zu sein. Der CSD sollte auch für das Leben auf dem Land Verbesserungen bringen – und das hat er hoffentlich auch! Da es 1995 in Oldenburg so gut funktionierte und Bremen mit sich selbst beschäftigt war, blieb es beim Ort Oldenburg. Anfänglich stand noch der Na Und e.V. hinter dem CSD Nordwest doch für die vielfältigen und arbeitsreichen Aufgaben musste 1997 ein eigener Verein her: der LuST e.V. wurde gegründet, dem heutigen CSD Nordwest e.V.. Nunmehr demonstrieren wir alle dieses Jahr zum 25. Mal gemeinsam – ein Erfolg auf der einen Seite mit Blick auf das Erreichte aber heute nicht minder erforderlich als damals, denn wir alle wissen, die politische und gesellschaftliche Landschaft ändert sich zusehends.

„Der Verkehr wird für uns angehalten, eine Art Machtgefühl überkommt uns, je weiter sich der Zug durch die Straßen wälzt. Ich erlebe ein bis dahin nicht gekanntes Gefühl der Gemeinsamkeit und Stärke, plötzlich wünsche ich mir, dass alle meine Bekannten und Arbeitskollegen am Rand stehen und zuschauen mögen. Die Parade entwickelt sich für mich zu einem inneren Akt der Befreiung, auch bei anderen zeigt sich eine ganze Palette von Gefühlsregungen, die vom ausgelassenen Freudentaumel bis hin zu Tränen der Rührung reicht.“ „Birgit“ 1995 über den ersten Oldenburger Christopher Street Day, Rosige Zeiten, Nr. 39.

Die 7. CSD Filmrolle

Die diesjährige CSD Saison beginnt mit der CSD Filmrolle, in der ausgesuchte LGBTI* Filme gezeigt werden. Am 27. Mai wird der Film „Luft“ im Cine k um 20:00 Uhr präsentiert. Am 1. Juni geht’s zur gleichen Zeit und am gleichen Ort weiter mit dem Film „52 Tuesdays“. Der dritte Film der Filmrolle wird am 3. Juni gezeigt: „My BIG Crazy Italian Wedding“. Mehr zu den Filmen in dieser RoZ auf den Kinoseiten! Die CSD Filmrolle ist ein Gemeinschaftsprojekt vom CSD Nordwest e.V., RollenWechsel, Medienbüro Oldenburg, Autonomes Schwulenreferat & Autonomes feministisches Referat der Carl von Ossietzky Universität, Na Und e.V., Cine K und der Gleichstellungsstelle der Stadt Oldenburg.

Wie alles begann – Erzähl Café zum 25. CSD | MI 29. Mai 19:00

Zum diesjährigen 25. Jubiläum darf ein Rückblick auf 24 vorherige CSD in Oldenburg nicht fehlen. Zeitzeugen erzählen am Mittwoch, 29. Mai ab 19:00 Uhr im HEMPELS aus den Anfängen des CSD Nordwest. Kommt vorbei zum Zuhören oder Mitreden! Dazu gibt es Archiv- und Bildmaterial der bisherigen 24 CSDs zu bestaunen. Eine Gemeinschaftsveranstaltung des Na und e.V. und CSD Nordwest e.V..

„…wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit.“ – CSD Gottesdienst | MO 10. Juni 10:00

Die Lambertikirche am Markt 17 lädt bereits zum 8. Mal ein, einen bunten Gottesdienst mit toller Musik und Worten zu feiern. Am Pfingstmontag, dem 10. Juni beginnt um 10:00 Uhr der Gottesdienst mit dem Motto „…wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit.“ (vgl. 2. Kor 3,16) unter Beteiligung vieler Künstler_Innen und gesellschaftlicher Gruppen wie Christian Arndt, Uwe Heger, Christian Firmbach, Aids Hilfe Oldenburg, Annie Heger, Dr. Christian Wetz u.v.m.. Die Predigt hält  Pastor Ralph Hennings. Anschließend gibt es Kaffee, Nachsinnen und Klönsnack im Lambertussaal.

Nacht der kleinen Künste | FR 14. Juni 19:00

Eine gute Tradition ist die Nacht der kleinen Künste am Vorabend des CSD. Am Freitag, 14. Juni startet um 19 Uhr das Programm in der Kulturetage. Ole Lehmann, preisgekrönter Stand-Up-Comedian, nimmt kein Blatt vor den Mund und serviert schonungslos seine Pointen. Wortakrobatin Annika Blanke beschenkt die Zuschauer_Innen mit feinster Slam Poesie. Die Wahloldenburgerin aus Leer jongliert mit Wörtern und Versen! Von New York bis Indien und von Westrhauderfehn bis Wacken (ungelogen!) und jetzt zum 1. Mal bei dieser Traditionsshow! Bei Nik bewegen sich der Hula-Hoop und sein Körper magisch zur Musik. Zuerst ruhig und sanft, dann tanzend und schnell, so dass es wirklich fast nach Zauberei aussieht. Travestie-Ikone und Vollblutentertainerin Elke Winter, DEM Comedian im Fummel. Seit 2008 gehört Elke Winter zum festen Stamm der Moderatoren der „Schmidt Mitternachtsshow“ auf dem Hamburger Kiez. Jeder Auftritt ist für Elke einzigartig, sie inszeniert sich immer wieder neu und verwandelt so den Abend in ein unvergessliches Erlebnis. Robert Meyer ist Musicaldarsteller aus Norden, doch die ostfriesische Tiefebene musste ihn längst ziehen lassen. Welch ein Glück und Freude für uns, denn schließlich singt er gerade den Graf Krolock bei „Tanz der Vampire“ im Theater des Westens, in Tecklenburg war er als Javert in „Les Misérables“ zusehen und davor brillierte er als Phantom im Operettenhaus auf der Hamburger Reeperbahn.

Moderiert wird der Abend von Annie Heger, Thomas Sieverding und Kai Bölle. Karten gibt es bereits seit dem 10. Mai für 20,- im Vorverkauf bei der Kulturetage und Horizont Reisen. Schnell zugreifen, denn die Erfahrung zeigt, die Karten sind schnell ausverkauft.

Auftakt Schlossplatz | SA 15. Juni 11:00

Wie im letzten Jahr startet der CSD Tag ab 11 Uhr auf dem Schloßplatz. Die Getränkebuden sind geöffnet, hier kann sich schon einmal gestärkt werden. In der Pride Plaza, dem Infostanddorf, könnt ihr die verschiedenen Infostände besuchen und auch das Bühnenprogramm startet. Beginn der Demo wird um 13 Uhr sein. Der CSD Nordwest e.V. wird ab 11:00 mit einem eigenen Infostand präsent sein. Hier bekommst du die gewohnten Demoschilder, Regenbogenfahnen und jede Menge Informationen. Startpunkt der Demo wird dann ebenfalls der Schloßplatz sein.

CSD Demo | SA 15. Juni 13:00

Unter dem Motto „25 Jahre Vielfalt statt Einfalt!“ ruft der CSD Nordwest e.V. dazu auf, sich einzureihen in die Demonstration: ‚Erhebe Deine Stimme und zeige Flagge. In einer Gesellschaft, in der reaktionäre Kräfte ein angeblich „normales“ und doch lediglich männlich-weiß tradiertes Menschen- und Familienbild propagieren, kommt es auf jeden Einzelnen an. Vielfalt ist das, was das Leben lebenswert macht. Vielfalt bedeutet, dass jede*r so leben und sein kann, wie er_sie ist. Ohne Angst vor Ausgrenzung oder Angriffen. Vielfalt wertzuschätzen bedeutet, auch selbst wertgeschätzt zu werden. Vielfalt bedeutet, das von mir abweichende ebenso zu tolerieren und zu akzeptieren, wie ich in meiner Persönlichkeit und Identität toleriert und akzeptiert werden möchte. Vielfalt nimmt niemandem etwas weg. Vielfalt bereichert uns alle. 25 Jahre Vielfalt statt Einfalt!‘ Die Demo startet um 13 Uhr ab Schlossplatz. Wagen und Fußgruppen müssen sich rechtzeitig einfinden.

Abschlusskundgebung und Kulturfest | SA 15. Juni 15:00

Im Anschluss an die Demo startet ab 15 Uhr das politische und kulturelle Programm. Zwischen den Redebeiträgen und dem DJ Olafson sorgen Flinte, LEOPOLD, Margot Schlönzke und LesBummsBoys für Unterhaltung. Beim sympathischen Duo Flinte geht es um Freundschaft, Abenteuerlust und einfach das Leben. Nordlichter sind LesBummsBoys. Die 5 Jungs aus Rostock haben deutschen Pop-Rock im Gepäck, die mit rabenschwarzem Humor garnierten Texte gibt es obendrauf. Betreten sie die Bühne, ist Party garantiert. LEOPOLD dagegen ist eine Ansage. LEOPOLD ist ein Statement. Inspiriert von Acts wie Michael Jackson, Prince und Dua Lipa verbindet er deren Vibe und Ästhetik mit elektronischen Sounds und dancy beats. Margot Schlönzke ist seit über 15 Jahren eine aktive Kämpferin für die Community. Sie ist Moderatorin, Sängerin, Entertainerin und Polittunte mit Herz und Schnauze, Hirn und Humor. Neu ist in diesem Jahr die DJ Area hinter der Lambertikirche. Dort sorgen DJ Denny D, DJ Ceed und DJ GRT für beste Stimmung.

Night oft he Pride – die Party | SA 15. Juni 22:00

25 Jahre Vielfalt statt Einfalt – das muss gefeiert werden! Das Team des CSD Nordwest hat eine tolle Geburtstagparty vorbereitet. Und du bist eingeladen! Hast du heute selbst Geburtstag? Lass es den CSD Nordwest e.V. wissen und dich erwartet eine kleine Überraschung. Apropos Überraschung: DJ Thi Rex steht für uns das erste Mal an der Musikanlage. Mit einer Mischung aus Electro House, Hip Hop und Charts begeisterte er schon oft die Gäste des Klubs „Loft“. Erneut findet die Party im Molkerei Klub (Bloherfelder Str. 2, 26129 Oldenburg) statt. Es fahren die Busse 306 (Universität) oder 310 (Wehnen) bis zur Haltestelle Ammerländer Heerstraße. Mit dem PKW über die A 28, Abfahrt Haarentor (Parkplätze vorhanden). Einlass ist ab 22:00 Uhr. Der Eintritt beträgt 8,-. Mit deinem Eintritt unterstützt du den CSD Nordwest.

Ingmar (RoZ)

Ausgewählte Mottos des CSD in Oldenburg

1995: Gemeinsam sind wir unausstehlich

1998: Liebe ist anders… nicht artig

2003: Lebenslänglich LesBiSchwul

2011: Homophobie tötet!

2019: Vielfalt statt Einfalt