25 Jahre !

Mann o Mann … Die MÄNNERFABRIK wird 25!

Wir schreiben den Juli 1992. Es gab noch keinen regelmäßigen CSD im Nordwesten. Das Internet war praktisch nicht existent. Und was passierte da in Oldenburg? Die Männerfabrik, die erste Party im Nordwesten nur für Männer, ging an den Start.

 

Gründung

Die MÄNNERFABRIK wurde aus einem Freun­deskreis heraus gegründet. 5 Männer taten sich 1992 zusammen, um in Oldenburg einen freien Raum für Männer – und ja – besonders auch für das Tragen von Fetischkleidung zu schaffen. Dies kannte man nur aus den größeren Städten der Republik. Man musste bislang also lange Strecken in Kauf nehmen. Dies sollte anders werden. In Oldenburg gab es damals zwar eine Szene, in der sich Kerle und Fetisch aber nicht wiederfanden. „Echte schwule Kerle und Jungs“, Fetisch- und Bartmänner hatten keine echte Anlaufstelle. Die MÄNNERFABRIK verstand sich daher als Alternative zur damals schon bestehenden Rosa Disco – nicht als Konkurrenz, und sollte auch im ALHAMBRA stattfinden. Es gab allerdings den Vorwurf einiger, dass eben diese Männer nicht zu ihrem Schwulsein stehen und sich hinter ihrer hetero-maskuliner Kleidung verstecken wollten. Das war natürlich falsch: man war einfach schwul und kerlig männlich.

 

MÄNNERFABRIK und Frauen

Erstaunlich war daher, dass insbesondere die Lesben es cool fanden, dass Männer ihre Männ­lichkeit zeigten und zeigen wollten und sich dafür auch einsetzten. Denn ihnen war klar: wenn Frauen Freiraum wollen so ist im Rahmen der Gleichberechtigung auch ein Freiraum für Männer nur konsequent. Der MÄNNERFABRIK war der Kontakt unter den Gruppen schon immer sehr wichtig. Daher traf man sich in der Kneipe Beppo (das HEMPELS gab es noch nicht) auch mit der Frauen- und Lesbengruppe des Alhambras. Und? Zwei Welten prallten aufeinander: aber im positiven Sinne. Es bestand gegenseitiger Re­spekt und offener Umgang. Ein Aufleben dieser Austauschtreffen ist vielleicht wünschenswert.

 

Nach der Gründung

Heute kann man fast niemanden mehr mit Neuerungen beeindrucken. Früher war es da schon spannender und die MÄNNERFABRIK für Oldenburg absolut exotisch. Fetisch war etwas Besonderes. Um den Bekanntheitsgrad zu er­höhen (wie gesagt, das Internet gab es nicht), wurden bei Nacht und Nebel in Oldenburg ziemlich eindeu­tige Plakate aufgehängt. So kam die MÄNNER­FABRIK ins Gespräch und damit die Besucher zur Party. In den Spitzenzeiten waren regelmäßig über 300 Männer zu Gast, was aktuell bestenfalls nur zu besonderen Terminen erreicht wird. Die Gründer der MÄNNERFABRIK sehen die Zeit um die Grünung als die befreiteste Zeit überhaupt. Weil man für seine Interessen (und Rechte) gekämpft hat. Das scheint heute häufig anders.

 

Heteros bei der MÄNNERFABRIK?

Sehr wichtig war schon immer die Musik. Die MÄNNERFABRIK Mitbegründer waren in Zürich unterwegs, als die Dancefloor-Welle bzw. Club-Elektro Musik, den Vorläufern des Techno, auf­kam. Und genau diese Musik wurde dank gutem Kontakt zu den DJs nach Oldenburg importiert. Eine Neuheit, die sich herumsprach. Und so kam es, das Raver aus dem Umland nur wegen der Musik zur MÄNNERFABRIK kamen. Damals befand man im Team: gute Arbeit gemacht, denn auch Heteros kommen. Die Musik wurde also zum Markenzeichen der MÄNNERFABRIK. Die Musik hat sich im Laufe der Zeit geändert und wurde gewöhnlich, wodurch Gäste wegblieben. Mit der aktuell 4. Generation der MÄNNERFABRIK wird wieder verstärkt auf zur Party passenden Sound geachtet. Das kommt an!

 

Teamarbeit bei der MÄNNERFABRIK

Die erste Generation der MÄNNERFABRIK war ein Freundeskreis. Alle wollten diese Party, alle setz­ten sich aktiv und erfindungsreich ein. Den ersten Nebel für die Tanzfläche gab es aus Trockeneis, das in einer Waschmaschinentrommel lag. Alle halbe Stunde musste hier ordentlich nach ge­legt werden. Aber, es funktionierte. Ein riesiges Tarnnetz sollte den ALHAMBRA Himmel verschö­nern. Zu dem Zeitpunkt konnte man so etwas in Deutschland noch nicht bekommen, also wurde in Holland eingekauft. Das Netz ist immer noch vorhanden, mangels geeigneter Aufhängung nur leider selten in Gebrauch. Die ersten Darkroom Wände wurden im privaten Garten zusammen gebaut und gestrichen. Hierfür gab es auch einen genauen Aufbauplan. Heute besteht das Team aus mehr als 5 Männern, die auch weiterhin Spaß an der MÄNNEFABRIK haben und diese weiterhin als Freiraum für Männer und Fetischliebhaber aufrechterhalten.

 

Kurioses

Schwule haben sich damals Mut angetrunken um zur MÄNNERFABRIK zu gehen. Viele wilde Geschichten kursierten, die sich hinterher aber als wenig wahr heraus stellten. Heute ist man auf­geklärter und Mut muss niemand mehr aufbrin­gen. Immer wieder kam es auch zu „komischen Situationen“. „Punks und Autonome“ vor dem ALHAMBRA fanden es schon merkwürdig, wenn die Fetischisten in Uniform ins Alhambra gingen. Denn jede_r weiß: echte Uniformträger_Innen also Polizist_Innen und Soldat_Innen dürfen nicht ins ALHAMBRA. Die Fetischbekleidung bil­det da seit jeher eine Ausnahme, auch wenn es immer wieder mal für Verwirrung sorgt.

 

HIV / Aids

In den 90ern war die Stimmung auf allen Parties, nicht nur bei der MÄNNERFABRIK, davon beein­flusst, dass viele Menschen an AIDS gestorben sind. Aber die Szene sagte sich: jetzt erst recht (Sex)! Aber: nur Safer Sex! Das Motto sollte sein: freie Liebe mit jedem aber bitte safe! Die MÄN­NERFABRIK setzte auf Aufklärung durch Zusam­menarbeit mit der AIDS Hilfe und stellte kostenlos Kondome bereit. Das ist auch heute noch so.

 

Förderung durch die MÄNNERFABRIK

Die Überschüsse der MÄNNERFABRIK flossen schon immer in schwule Projekte. Es gab die Aktion „Gewalt gegen Schwule“ sowie zu Safer Sex. Dabei wurden Infostände in Parks und den Cruisingareas aufgebaut. Auch die Gründung des SchwuRef an der Uni Oldenburg wurde maßgeblich aus den Geldern der MÄNNERFABRIK finanziert. Die Gründer waren seinerzeit nämlich aktive Stundenden an der CvO. Gelder des AStA waren dafür zunächst nicht zu bekommen. Dies änderte sich erst im Laufe der Zeit.

 

MÄNNERFABRIK und CSD

Der Start des Oldenburger CSD war holprig. Aber das ist eine lange Geschichte. Bei NA UND machte sich 1995, getragen von der Euphorie der Zentrumseröffnung, der Gedanke breit, den CSD nach Oldenburg zu holen nach dem Motto: „650 Jahre Oldenburg, 10 Jahre NA UND und 1 Jahr Zentrum“. Gleichzeitig schrieb die MÄN­NERFABRIK aus Oldenburg alle örtlichen Vereine an. Durch den CSD in Köln beeindruckt, stellte sich die MÄNNERFABRIK für 1995 ein Straßenfest in Oldenburg vor, was letztlich aber dann doch zu einem DEMO-Umzug mit Abschluss auf dem Schlossplatz wurde. Das Motto war übrigens: Gemeinsam sind wir unausstehlich. Dabei sei erwähnt, dass nur die MÄNNERFABRIK mit einen laut wummernden Wagen für Stimmung sorgte und viel Geld zum CSD beisteuerte. Auch in diesem Jahr ist die MÄNNERFABRIK wieder mit einem Wagen dabei und freut sich abends auf zahlreiche Gäste zur Party.

 

csd95 Männerfabrik

Beim CSD 1995.

 

MÄNNERFABRIK Magazin

Noch einmal zur Erinnerung: es gab kein Internet. Es gab keine gesammelten regionalen Termine und Adressen speziell für Männer. Die MÄNNER­FABRIK brachte daher ein eigenes kleines Magazin heraus um Termine, Adressen und Kontaktanzei­gen zu veröffentlichen. Dieses konnte man bei der MÄNNERFABRIK bekommen. Durch die Verteilung auch im Bundesgebiet sind viele größere Städte auf Oldenburg aufmerksam geworden, was den Ruf der Stadt als homo-freundlich förderte. Das Magazin wurde, wie heute auch die RoZ, bei Gegendruck gedruckt. Durch die breite Vertei­lung wurde die MÄNNERFABRIK auch in Holland bekannt. Dies gipfelte in einem Austauschtreffen mit dem Motorsportclub Amsterdam. Doch das ist leider Geschichte.

 

MÄNNERFABRIK aktuell

Heute ist die 4. Generation der MÄNNERFABRIK aktiv und die Gruppe dem Na Und e.V. angeglie­dert. Die Ziele der Party sind dennoch unverän­dert. Im Jubiläumsjahr gibt es ausnahmsweise keine Sommerpause im August. Es wird einfach durchgefeiert – jeden Monat MÄNNERFABRIK. Hier die Highlights des Jahres: Bereits zum BärenErwachen im März konnten viele Gäste begrüßt werden. Die Fetischparty im April (ohne strengen Dresscode) dagegen war noch etwas dürftig besucht, die Stimmung war dennoch gut. Im Juni wird am CSD Samstag (17. Juni) natürlich abends wieder die MÄNNERFABRIK stattfinden. Alle Männer jeden Alters und ob mit oder ohne Fetisch sind herzlich willkommen. Am 15. Juli startet dann die Geburtstagsparty zu 25 Jahre MÄNNERFABRIK. Hier sind einige Aktionen geplant, aber lasst Euch überraschen. Im August, der eigentlichen Sommerpause, soll es nicht nur von den Temperaturen heiß hergehen. Denn: eine Fetisch Hardcore Party ist geplant. Hier wird es dann einen strikten Dresscode geben, der da heißt: Leder, Latex, Gummi und Co. müssen schon es sein. Jeans und Hemd bleiben an dem Tag zu Hause! Damit soll einmal wieder der Fetisch stark in den Vordergrund gestellt werden. Im Oktober dürfen sich dann wieder die Bärchen und alle anderen auf das OktBärFest freuen.

 

Die MÄNNERFABRIK wird auch in Zukunft der Raum in Nordwesten nur für Männer und Freunde des Fetisch sein. Kommt doch mal vorbei!

ingmar | RoZ

 www.männerfabrik.de

Männerfabrik-Termine 2017
17. Juni            CSD-MÄNNERFABRIK
15. Juli              25 Jahre MÄNNERFABRIK
19. August        Fetisch Hardcore (Dresscode!)
16. September  MÄNNERFABRIK
21. Oktober       OktoBÄRfest
18. November  MÄNNERFABRIK
16. Dezember   MÄNNERFABRIK

 

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