Prosa | Alles so hell da vorn.

(RoZ) Der Titel lässt mich ratlos zu­rück. Denn „hell“ ist in dieser Krimi-Welt gar nichts. Sehr düster und drastisch geht es abrupt hinein in die Szene von Zwangsprostitution und Kindesmissbrauch. Der Tatort: ein zwielichtiges Frankfurter Vorstadtbordell, Endstation für ausgemusterte Kinderprostituierte. Die minder­jährige Manga klaut ihrem Stammkunden, einem Kriminalkommissar, die Waffe, erschießt ihn und haut dann ab, um in einem pfälzischen Dorf einen weiteren Mann zu töten.

Im Fall des ermordeten Kollegen (und Ex-Freundes) ermittelt Bettina Boll von der Kripo Ludwigshafen. Sie ist immerhin so etwas wie ein Lichtblick – un­sentimental und mit schwarzem Humor gesegnet, eine ruppige junge Frau mit scharfem Verstand, Teamunfähige Einzelgängerin mit Spürnase, sie hasst Berichte schreiben und dienstliche Anwei­sungen. Das gibt Ärger mit dem Vorgesetzten. Aber um Manga und ihren taffen Leidensgenos­sinnen zu helfen, riskiert sie viel.

Und Bettina Boll hat auch privat einiges an den Hacken. Für den Verkauf der geerbten trostlosen alten Villa muss sie Maklertermine machen. Bei ihrem zugerümpelten Ford Taunus klemmt die Beifahrertür. Zudem ist sie nach dem Tod ihrer Schwester Ersatzmutter von deren zwei Teenie- Kindern geworden. Bettina Boll hat alle Hände voll zu tun und die Leserin bekommt Mitleid mit den Kindern, die sich oft selbst überlassen sind und sich von Pizza ernähren, während Kriminalkommissarin Boll im ihrer Klapperkiste zwischen Frankfurt, Lud­wigshafen und der Pfalz unterwegs ist, um Spuren zu verfolgen und an Meetings teilzunehmen.

Überhaupt die Pfälzer Kollegen, Karikaturen pro­vinziellen Spießbürgertums mit herrlichen Dia­lekteinlagen. Aber auch in dörflicher Atmosphäre tun sich menschliche Abgründe auf. Die ernste Thematik Kindesentführung und Menschenhan­del steht trotz allem Lokalkolorit im Vordergrund der Handlung und wirft ihre Schatten bis in hohe Polizeikreise. Nur gut, dass in diesem Fall die Ge­rechtigkeit siegt und die Schuldigen ihre Strafe bekommen. Wenigstens im Krimi.

eva

Monika Geier: Alles so hell da vorn. Argument Verlag mit Ariadne. Taschenbuch, 352 Seiten, Juli 2017. 13 €