Blockaden brechen!

23. Christopher-Street-Day Nordwest in Oldenburg: Demo am 17. Juni

Während ich diese Zeilen schreibe, tobt draussen ein wirklich bilderbuchhaftes Aprilwetter. Schnee, Hagel, dann Sonne, mal Wolken und Regen. Doch in weniger als acht Wochen werden wir bereits mit dem CSD Nordwest durch Oldenburg ziehen. Dann wird ein Rahmenprogramm hinter uns liegen, was hoffentlich viel Aufmerksamkeit erzeugt und viele Menschen zum Nachdenken angeregt hat. Die Vorbereitung dazu läuft auf Hochtouren und ist ähnlich wechselhaft wie dieser April. Beginnen wir chronologisch und zuerst mit Sonnenschein.

 

WILD im Edith-Russ-Haus

Das Programm hat in diesem Jahr bereits überraschend früh am 5. April und mit einer ebenso außergewöhnlichen Veranstaltung begonnen: WILD – Transgender and the Communities of Desire. Das Edith-Russ-Haus präsentiert seitdem und noch bis zum 18. Juni eine deutschlandweit einmalige Gruppenausstellung, die sich mit den Fragen und Herausforderungen von transgeschlechtlichem Leben beschäftigt. Am 17.06. heisst es sogar: Freier Eintritt! Am 7. Juni um 17 Uhr wird es ergänzend dazu im Edith-Russ-Haus auch eine Gesprächsrunde mit dem Titel „Trans* in Arbeit“ geben. An den Details feilen wir derzeit noch. Bereits zugesagt hat jedoch mit Oberstleutnant Anastasia die erste offen lebende Transperson im Generalstab der Bundeswehr.

 

CSD-Filmrolle

So richtig los legen wir mit dem Rahmenprogramm dann am 29. Mai mit der CSD-Filmrolle. Auch diese  Veranstaltung ist ein wahrer Sonnenschein und Lichtblick. Das Team hat wieder vier hochklassige Filme ausgesucht. Für Männer, für Frauen, für Jede und Jeden. Das genaue Programm findet ihr auf unserer Homepage. Bis zum 12. Juni besteht die Gelegenheit, sich einer der Filme anzuschauen. Oder wieso nicht gleich alle, wo es doch für nur 28 Euro eine attraktive 4er – Karte gibt. Diversity-Tag Worauf wir mittlerweile wirklich Stolz sind ist, dass wir  zusammen mit dem Völklinger Kreis zum festen Planungsteam des Diversity-Tages im Rahmen der Charta der Vielfalt in Oldenburg gehören. Am 30. Mai werden erneut Firmen und Organisationen ein Bekenntnis zur Vielfalt ablegen. Der Aspekt LSBT*IQ hat dabei jedes Jahr deutliches Gewicht. Gastgeber ist 2017 die Polizeidirektion Oldenburg. Stattfinden wir es im Alten Landtag. Nach jetzigem Stand gibt es bereits 10 neue Unterzeichner. Anmeldungen werden unter www.oldenburg.de/diversity entgegengenommen. Aus dieser Veranstaltung ist mittlerweile – auch auf unsere Initiative hin – ein Netzwerk der unterzeichnenden Firmen hervor gegangen. Hier wird an ganz konkreten Verbesserungen für die Mitarbeiter_innen gearbeitet, sich ausgetauscht und Themen vorangetrieben.

 

CSD Gottesdienst

Wenn am 11. Juni die Glocken der Kirche St. Lamberti läuten, dann bedeutet das für uns zweierlei. Erstens, dass die finale Woche des CSD begonnen hat und es organisatorisch noch mal richtig hektisch wird. Zweitens jedoch auch – und das ist viel schöner – das der CSD Gottesdienst gefeiert wird. Dieses Jahr ist Psalm 113,4 die Leitschnur: „so weit der Himmel ist“. Um 10 Uhr treffen sich hier viele Mitwirkende, von denen einige bereits seit dem 1. Gottesdienst vor über 10 Jahren dabei waren. Ich möchte hier nur die Stammgäste den Beschwerdechor „De Meckerkring“ und Uwe Heger erwähnen.

 

Politische Podiumsdiskussion

Bundespolitisch geht es dann am 13. Juni um 18Uhr im Schlauen Haus zu. Durchgeführt vom AStA der CvO-Universität Oldenburg wird es erneut eine politische Podiumsdiskussion geben. Nach der Kommunalwahl im letzten Jahr geht es diesmal auf die nationale Bühne. Wir sind gespannt, was die Kandidaten_innen zu sagen haben.

 

Nacht der kleinen Künste

Am 16.06. ab 19:30 Uhr gibt es in der Kulturetage ein Feuerwerk der Kleinkunst: 20 Jahre Nacht der kleinen Künste. Die traditionelle Eröffnung des CSD-Wochenendes. Dabei werfen wir einen Blick zurück auf die Höhepunkte der vergangenen zwei Jahrzehnte und freuen uns auf viele Jubiläumsgäste. Kay Ray kehrt zurück auf unsere Bühne! Schrill, schräg und extravagant ist er der Paradiesvogel unter Deutschlands Kabarettisten. Zwar älter geworden, ernster und nachdenklicher, jedoch kein bisschen Leise. Nicht fehlen darf Holger Edmaier. Ob Alleine oder zu Zweit, ob als Moderator oder mit seinem Programm: dieser Junge aus der Region ist ein Erlebnis und er dürfte der inoffizielle Rekordhalter im Programm sein. Besonders freuen wir uns auf ein Highlight der ersten Jahre: VITA B. kommen für dieses Jubiläumsausgabe wieder zusammen. Doch auch neue Künstler_innen werden das Programm bereichern. Das Frauen-Duo Suchtpotenzial räumte zuletzt den Publikumspreis beim Prix Pantheon ab. Julia Martin und Ariane Müller sinnieren dabei über die wirklich wichtigen Themen: Sex, Drugs and Rock n´Roll…. und Weltfrieden. Ebenfalls freuen wir uns auf Sven Hensel, mit 20 schon ein alter Hase in Sachen Poetry-Slam. Über 300 Bühnenauftritte sprechen für sich. Das er mit Worten treffsicher umgehen kann, bringt ein toller Satz von ihm zum Ausdruck: „Es ist egal was in der Hose ist, solange es sich im Herzen gut anfühlt.“ Dafür, dass sich die Nacht der kleinen Künste richtig gut anfühlen wird, ist also in diesem Jahr wieder gesorgt. Karten gibt es für 20 Euro im Vorverkauf bei der Kulturetage und Horizont Reisen und für 25 Euro an der Abendkasse.

 

Das Herzstück: die Demo

Nach einer oft kurzen Nacht, freuen wir uns dann am 17. Juni um 12 Uhr auf das Herzstück unseres CSD: die Demonstration! Hier kommt nun Hagel und Schnee ins Spiel. Denn zu diesem Zeitpunkt, an dem der Autor des Textes diese Zeilen schreibt, steht der Aufstellungsort noch nicht fest. Denn eine überraschende Baustelle in der Bahnhofstraße hat unser Konzept durcheinander gewirbelt. Ob und wie die Aufstellung der Demo wieder in der Rosenstraße erfolgt, könnt ihr bei Facebook und auf unserer Homepage verfolgen. Da die Demonstration mittlerweile eine beeindruckende Größe erreicht hat, stellt uns dies vor riesige Herausforderungen. Doch diese nehmen wir an. Denn Herausforderungen sehen wir uns ja ohnehin gegenüber. Denn obwohl sich die Lebenssituation homo-, trans- und bisexueller Menschen in Deutschland in den vergangenen Jahren insgesamt verbessert hat, werden Schwule, Lesben, Trans- und Bisexuelle weiterhin diskriminiert – am Arbeitsplatz, in der Schule und, überdurchschnittlich häufig, in der Öffentlichkeit sowie im Freizeitbereich. Auch auf rechtlicher Ebene werden Homo- und Bisexuelle immer noch benachteiligt: Gleichgeschlechtliche Paare dürfen weder heiraten noch Kinder adoptieren. Die aktuelle Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigt eindeutig: je näher den Menschen das Thema kommt, umso stärker sind Ablehnung und Ausgrenzung. Eine lesbische Arbeitskollegin finden lediglich 12% der Befragten unangenehm. Eine lesbische Tochter bereits 40%.

 

Leitthemen der CSD-Demo

Der CSD Nordwest hat daher für die Demonstration folgende Leitthemen beschlossen: Artikel 3, GG um das Merkmal der sexuellen Orientierung und Identität ergänzen! Das Grundgesetz schützt Homo- und Transsexuelle im Gegensatz zu anderen gesellschaftlichen Minderheiten nicht explizit vor Diskriminierung. Wir fordern die Einbeziehung der „sexuellen Identität“ in den Artikel 3, da nur so eine volle rechtliche Gleichstellung von LSBT*IQ erreicht werden kann. Derzeit ist der rechtliche Fortschritt der letzten Jahrzehnte von einer wohlgesonnenen Mehrheit im Bundestag abhängig.

 

Akzeptanzförderung durch Bildung – Kampf gegen Homo- und Transphobie

Neben den rechtlichen Aspekten gilt es, vor allem die Diskriminierung am Arbeitsplatz, sowie in Schule und Freizeit zu bekämpfen. Diese ist gekennzeichnet von Ausgrenzung, Abwertung und Beleidigung bis hin zu gewalttätigen bergriffen. Der Diskriminierung von LSBT*IQ innerhalb der Gesellschaft muss durch eine aktive Aufklärungs- und Bildungspolitik entgegengewirkt werden. Handlungsbedarf sehen wir überall dort, wo Menschen andere Menschen anleiten, führen oder ausbilden. Nach einer Rekordbeteiligung im letzten Jahr freuen wir uns, wenn wir dieses Mal daran anknüpfen können. Wir wollen den Druck der Straße aufrecht erhalten. Viele Engagierte vor uns haben das bisher Erreichte erkämpft. Doch wie dargestellt ist das noch lange kein Grund, sich zurückzulehnen. Es braucht auch Heute und in Zukunft engagierte Menschen aus unseren Reihen. Bei der Demo, bei der Organisation, bei allen ereinen, die etwas für und in der Szene tun. Lasst uns beim CSD alle gemeinsam Flagge zeigen. Ob wir die Demonstration wieder mit einer Symbolaktion beginnen können, steht leider noch nicht fest. Denn das ist sehr davon abhängig, wo sie schließlich startet. Fest steht allerdings, wo sie endet, nämlich auf dem Schlossplatz. Abschlusskundgebung. Dort geht es ab 14 Uhr mit der Abschlusskundgebung weiter. Während die Rednerliste zum Zeitpunkt der Drucklegung noch unvollständig war, freuen wir uns jedoch, zwei tolle Künstlerinnen vorankündigen zu können: Ohrenpost überzeugen mit frischem Deutsch-Pop und authentischem Charme. Christin Koll und Sarah Schäfer starten im April 2017 auch mit ihrer ersten eigenen EP durch: „Groß, laut, frei“: Klasse Frauenpower, die begeistert. Ebenfalls auf dem Schlossplatz dabei ist Kery Fay. Die gebürtige Ukrainerin stand bereits mit 5 Jahren das erste Mal auf einer Bühne. Sie setzt sich stark für Gleichberechtigung und Toleranz gegenüber Homosexuellen ein. Kery Fay trägt eine starke Message nach außen, dass jeder Mensch das Recht hat geliebt und akzeptiert zu werden.

 

Night of „The Pride“

Den Abschluss macht erneut die glamouröse Night of „The Pride“. Nach der gelungenen Premiere im letzten Jahr zieht es uns wieder in den angesagten Event Klub Molkerei. Brilliante Akustik gepaart mit moderner Lichttechnik bietet diese Location alles, was das Feiern braucht. DJ Denny D wird für fette Beats und heiße Rhythmen sorgen. Einlass ist ab 21:00 Uhr, der Eintritt kostet 8 Euro.

Euer kai | LuST e.V.
Mehr Infos und Kontakt:
www.csd-nordwest.de

Das könnte auch interessant sein: