Lesben Raus! Buchvorstellung am 6. Dezember

Die ehemalige Chefredakteurin des L-MAG Stephanie Kuhnen hat 28 sehr aktuelle Texte von mehr als 20 AutorInnen zu verschiedenen Aspekten lesbischer Sichtbarkeit herausgegeben und präsentiert damit so etwas wie eine bunte Schatzkiste mit Informationen, Erfahrungen, Thesen, und Argumenten. Jedenfalls genügend Material, um eine Diskussion weiterzuführen, die eigentlich seit ihren Anfängen ein „Dauerbrenner innerhalb der lesbischfeministischen Community“ ist (S.51). Doch in heutigen queeren Zeiten hat die Auseinandersetzung an Brisanz gewonnen.

 

+ + + Buchvorstellung + + + Lesben raus! wird am Mittwoch, den 6.12. um 18 Uhr in der C.v.O-Uni Oldenburg, Geb. A11 Raum 0-018 von Stephanie Kuhnen und Simone Tichter (Autorin) vorgestellt. Bei freiem Eintritt für alle Interessierten. + + +

 

Es scheint fast, Lesben sind zu einer unsichtbaren und aussterbenden Identität geworden. Wenn von Homosexualität die Rede ist, werden Lesben „mitgemeint“, schwule Männer dominieren Themen und Bilder. Wenn es um LSBTIQ Belange geht, werden selten lesbische Expertinnen gefragt. Der Trend geht dahin, Queer zu einer alternativen Identität zu machen. Die vorliegenden Texte stellen dies in Frage und setzen sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der lesbischen (Un)sichtbarkeit auseinander. Es geht u.a. um Netzwerke und lesbische Autonomie, um Medienarbeit, DDR-Geschichte, Gedenkpolitik, um Jugendarbeit und ältere Lesben, um Pflege und das Lesbenfriedhofsprojekt, lesbische Geflüchtete, unterschiedliche Identitäten, lesbische Regenbogenfamilien und Beziehungsformen jenseits der Konventionen, um Lebensgeschichten und Utopien, um eine solidarische Community, die Verneigung vor lesbische Pionierinnen. Welche Vor- und Nachteile hat eine erhöhte Sichtbarkeit? Gibt es Orte für gemeinsames Handeln und Kommunikation? Greift die Identitätskategorie „Lesbe“ nicht zu kurz? Vielleicht vereint das internationale „Dyke“ besser die Vielfalt von Lesben, Butches, Femmes, von homosexuellen, feministischen, frauenliebenden, bisexuellen, translesbischen, transgender, queeren Frauen? In ihrer ganzen Unterschiedlichkeit eint alle das gemeinsame Ziel der Sichtbarkeit und gesellschaftspolitischen Teilhabe.

 

Sehr unterschiedlich sind auch die Beiträge der zahlreichen Expertinnen für lesbisches Leben in diesem Sammelband: „vom Persönlichen zum Strukturellen, generations- sowie identitätsübergreifend, von deutlichen Kritiken bis Best-Practice- Beispielen, vom Privaten zum Politischen, vom Selbstzeugnis zur Medienproduktion, von der Jugend bis zum Tod … Gemäß dem Bewegungsmotto: Wir sind viele!“ (S.17) Und alle sind sehr lesenswert. Es lag am Zeitmangel, dass einige Beiträgen fehlen, die zusätzliche Blickwinkel zeigen könnten. Eine Autorin, die über lesbische Musliminnen schreiben wollte, zog ihren Text zurück, nachdem sie von homophoben Fundamentalisten bedroht wurde. Eine Architektin, deren Thema lesbischer Infrastruktur und Innenstadtgestaltung ist, musste aus beruflichen Gründen absagen. Was ich persönlich besonders schade fand …

Eva

 

Biographische Notizen: Die Eigentlich-Bremerin Eva lebt jetzt in Oldenburg, wo sie sich zusammen mit ihrer Freundin Marlies um die Ecke gedachte Kreuzworträtsel ausdenkt (so auch die rozliche Rätselkaiserin in der Heftmitte). Aber am liebsten liest sie Romane (ab und zu gern auch einen guten Krimi). Studiert hat sie mal Deutsch und Kunst und kann sich ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen.

 

Stephanie Kuhnen (Herausgeberin): Lesben raus!

Für mehr lesbische Sichtbarkeit. Querverlag. Taschenbuch,

260 Seiten, September 2017. ISBN-13:

978-3896562579. 16,90 €

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