ENDE UND AUS: Netflix killed the cinema star?!

RollenWechsel fokussiert sich auf CSD-Filmrolle und Queer Film Festival

Oldenburg | Spendenaktion des Cine k für monatliche Reihe

Vor uns liegt das Premieren-Programmheft von RollenWechsel, der Kino AG des Na Und-Vereins, vom Juni 1992. Die Filme – jeden Monat ein lesbischer und ein schwuler – wurden damals noch im Alhambra gezeigt. Als erste Streifen (es gab noch Celluloid) wurden der DDR-Film „Coming Out“ und der kanadische Kultfilm „I’ve heard the mermaids singing“ gezeigt. Inzwischen sind fast 27 Jahre vergangen. 27 Jahre, in denen vor treuen Zuschauer*innen regelmäßig LSBTI*-Filme gezeigt wurden, die man sonst in Oldenburg nicht zu sehen bekommen hätte. 2004 fand ein erstes QueerFilmFestival statt, das ab 2010 als Queer Film Festival Oldenburg zur Dauereinrichtung wurde; 2012 kam die CSD-Filmrolle hinzu. Die monatliche RollenWechsel-Reihe, die für Viele schon ein fester Bestandteil im Kalender geworden ist, müssen wir nun schweren Herzens vorerst aussetzen.

Die Sehgewohnheiten haben sich in dieser Zeit geändert. Zwar haben das Fernsehen und die Streamingdienste dem Kino noch nicht den von vielen befürchteten Todesstoß versetzen können, aber es hat, die Bequemlichkeit fördernd, doch die Anzahl der Kinobesucher*innen und folglich die Anzahl der Kinos erheblich reduziert. Wie sagte schon Greta Garbo: „Alles, was zählt, ist das, was sie die ‚Kinokasse‘ nennen.“ Wie Recht sie leider hat. So wie viele heute nicht mehr Kneipen und Clubs, sondern Internetportale vom häuslichen Sessel aus zur Kontaktaufnahme nutzen, so sehen sich viele Filme nicht mehr im Kino, sondern bei Youtube, Netflix & Co. oder Kinox.to an.

Für die monatliche RollenWechsel-Reihe ergab sich durch sinkende Besucher*innenzahlen und steigende Kosten eine verheerende Bilanz. Als Teil des Na Und e.V. haben wir stets eine solidarische und wertschätzende Unterstützung durch unseren Verein erfahren. Kulturarbeit war dem Na Und e.V immer ein wichtiges Anliegen und ist es geblieben, wofür wir sehr dankbar sind, denn ohne diese Hilfe wäre die RollenWechsel-Reihe nicht möglich gewesen. Aber die Differenz zwischen Ausgaben und Einnahmen betrug 2018 mehr als 2.000 Euro. Ein so hoher Betrag kann vom Na Und-Verein allein nicht aufgebracht werden. Auch die langjährige Förderung durch das Autonome Feministische Referat im AStA der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und die bereitwillige Unterstützung durch private Spender*innen reichten nicht aus, um das Defizit auszugleichen. Das Plenum des Na Und e.V. hat deshalb im Februar beschlossen, die monatliche RollenWechsel- Reihe vorerst auszusetzen. Die CSD-Filmrolle im Juni und das Queer Film Festival Oldenburg im November sollen fortgeführt werden. Dank Euch Kinobesucher*innen, öffentlicher und privater Förder*innen und des finanziellen Supports des Na Und e.V. können wir Euch diese beiden Highlights auch in Zukunft anbieten. Das Cine k versucht mit einem Spendenaufruf, die monatliche Filmreihe ab Oktober wieder aufleben zu lassen (siehe Artikel auf Seite 31). Wir hoffen auf eine große Resonanz der Queer Community auf diese Spendenaktion, damit die monatliche Filmreihe fortgeführt werden kann. Queere Sichtweisen müssen im Kino sichtbar bleiben!

 

Euer RollenWechsel-Team

Noch mehr Infos unter:

www.rollenwechsel.net

www.queerfilmfestival-oldenburg.de

Cine k in der Kulturetage Oldenburg, Bahnhofstr. 11,

Tel. 0441-2489646, www.cine-k.de