Synode beschließt „Trauung für alle“

(pm) OL. „Die Kirche“ steht derzeit oft in der Kritik – zu Recht. Durch konservative Ansichten und neue Skandale wenden sich immer mehr Menschen von der Kirche ab. Das Thema Missbrauch erschüttert mittlerweile nicht nur die katholische Welt. Auch die evangelische Kirche hat eine eigene dunkle Geschichte aufzuarbeiten. Hier ist man bereits in die Offensive gegangen. Doch gerade die evangelische Kirche ist auch ein Treiber der kirchlichen Erneuerung.

 

Ev.-Luth. Kirche Oldenburg macht bei der Ehe keinen Unterschied mehr

Die Synode der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg hat Ende November 2018, bei drei Enthaltungen beschlossen, die kirchliche Trauung auch für gleichgeschlechtliche Ehepaare zu öffnen, so die Kirche in ihrer Pressemitteilung. Die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg begrüße „die rechtliche Gleichstellung von Personen gleichen Geschlechts bezüglich der Möglichkeit der Eheschließung durch das Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts vom 20. Juli 2017 und die damit beabsichtigte Beendigung der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare“, so der Wortlaut des Synodenbeschlusses.

In der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg sei die kirchliche Trauung Amtshandlung und zugleich ein besonderer Gottesdienst für Ehegatten aus Anlass ihrer Eheschließung, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Dieses gelte für gleichgeschlechtliche ebenso wie für verschiedengeschlechtliche Ehegatten. Voraussetzung für die kirchliche Trauung sei die gültige Eheschließung nach staatlichem Recht. Die Trauung sei als Amtshandlung in das Kirchenbuch der Gemeinde einzutragen, in der sie vollzogen wurde. Den Ehegatten sei eine Urkunde über die Trauung auszuhändigen.

Bitte um Entschuldigung für entstandene Verletzungen

Im Anschluss der Abstimmung sagte Bischof Thomas Adomeit: „Die Gleichstellung von Personen gleichen Geschlechts hat die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg nicht immer umgesetzt. Es ist dadurch manche Verletzung entstanden, indem homosexuelle Paare, die um Gottes Segen für ihre Beziehungen gebeten haben, nicht getraut werden konnten. Das dadurch entstandene Leid, die durchlebte Enttäuschung und die erlittene Diskriminierung begleiten manche Beziehung bis heute.“

Im Namen der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg bat Bischof Thomas Adomeit alle Paare, „denen die Verweigerung einer kirchlichen Trauung wegen ihrer gleichgeschlechtlichen Liebe und Lebensgemeinschaft widerfahren ist, aufrichtig um Entschuldigung. Verletzungen sind aber auch bei Theologinnen und Theologen entstanden, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung nicht in den Dienst der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg übernommen wurden oder die ihre Beziehung nicht offen leben konnten. Auch hier hat die Kirche Leid und Enttäuschung verursacht. Und auch diese Menschen bitte ich für die oldenburgische Kirche um Verzeihung.

Positives Resümee

Synodenpräsidentin Sabine Blütchen lobte insbesondere die Entscheidung zum neuen Kommunikationskonzept der oldenburgischen Kirche. Das „Konzept für die mediale Kommunikation der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg“ sei im Bewusstsein beschlossen worden, „dass wir die Menschen damit heute besser erreichen.“ Auch dass sich die oldenburgische Kirche verstärkt sich in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen und Haltung zeigen wolle sei zu begrüßen. „Das steht uns als Kirche gut an“, so Blütchen. Für die Entscheidung der Synode empfinde er große Dankbarkeit, betonte Bischof Adomeit. Dies sei eine Sternstunde kirchlichen Handelns gewesen. „Wir haben Menschen in unsere Mitte geholt, die zuvor unter Diskriminierung leiden mussten“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Hass, Rechtspopulismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit schaden der Seele

Im Eröffnungsgottesdienst der Synode in der St.-Ulrichs-Kirche in Rastede rief Kreispfarrer Bertram Althausen in seiner Predigt (zu Markus 8,36) zur Empathie im gesellschaftlichen Miteinander und zur Nächstenliebe gegenüber von Fremden und Andersglaubenden auf. Es sei für jeden Menschen wichtig, sich um seine Seele zu kümmern und darauf zu achten, dass sie keinen Schaden nehme. „Halten wir uns fern von dem, was unsrer Seele schadet: Hass, Rechtspopulismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit. Lassen Sie uns widersprechen! Lassen Sie uns stattdessen lieben, denn Liebe tut der Seele gut. Lassen Sie uns miteinander auf unsere Seelen achten und uns bewusst machen, dass wir uns um unsere Seele sorgen müssen, weil wir sonst alle Schaden nehmen“, so Kreispfarrer Althausen.

Gudrun Mawick – Neue Oberkirchenrätin ist keine Unbekannte

Der personelle Erneuerungsprozess der evangelischen Kirche im Oldenburger Land wurde ebenfalls Ende 2018 vorangetrieben, so die Ev.-Luth. Kirche Oldenburg. Es wurde Pfarrerin Gudrun Mawick aus Unna zur neuen Oberkirchenrätin gewählt. Die 54-Jährige setzte sich auf der Synode in Rastede im zweiten Wahlgang mit 35 Stimmen gegen die Amtsinhaberin Annette-Christine Lenk durch, die 25 Stimmen erhielt. Der Kreispfarrer Michael Braun aus Cloppenburg hatte zuvor seine Kandidatur zurückgezogen, nachdem er im ersten Wahlgang nur acht Stimmen erhalten hatte. Pfarrerin Mawick wird unter anderem Personalchefin der etwa 240 Pastorinnen und Pastoren im Oldenburger Land.

Pfarrerin Gudrun Mawick arbeitet derzeit für die Geschäftsstelle des 37. Deutschen Ev. Kirchentages und ist verantwortlich für Gottesdienste und geistliches Programm des Kirchentages 2019 in Dortmund. Seit 2011 ist sie Dozentin im Fachbereich für Gottesdienst und Kirchenmusik im Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) in Villigst. Zuvor war die ausgebildete Kommunikationswirtin Leiterin der Abteilung „Kommunikation“ des Kirchenkreises Unna (2005 bis 2011) sowie Pressesprecherin, Referentin der Superintendentin und Beauftragte für den EKvW-Reformprozess. Von 1998 bis 2005 war sie Pfarrerin in Hagen sowie in Bottrop-Batenbrock (1995 bis 1998) und erteilte zusätzlich Religionsunterricht.

Mawick hat nach einer Ausbildung zur Buchhändlerin von 1985 bis 1992 Ev. Theologie in Marburg, Hamburg und Berlin studiert. Ihr Erstes Theologisches Examen legte sie 1992 in Oldenburg ab. Von 1993 bis 1995 absolvierte sie ein Vikariat in der Kirchengemeinde Ohmstede sowie ein Sondervikariat beim Sozialamt der EKvW. Nach dem Zweiten Theologischen Examen 1995 wechselte Mawick in die EKvW. 1996 wurde sie ordiniert.

Pfarrerin Mawick lebt in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Sie hat in ihrer Oldenburger Zeit bei dem Magazin Rosige Zeiten redaktionell mitgearbeitet.

Vielleicht gelingt es der Redaktion für eine der nächsten Ausgaben, ein Interview mit der neuen Oberkirchenrätin zu führen.

ingmar (RoZ)

Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg

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Info: Die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg mit Sitz in Oldenburg ist eine von 20 Landeskirchen, die die Evangelische Kirche in Deutschland bilden. Wie alle Landeskirchen ist sie eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. 418.086 Evangelische in 116 Kirchengemeinden sind Mitglieder der Kirche. Quelle: Wikipedia.

 

Biografische Eckdaten: www.kirche-oldenburg.de/fileadmin/Redakteure/PDF/PDFs_2018/Synode-2018-CV_tab-Mawick.pdf


Weitere Informationen und Beschlüsse sowie Fotos zur Synodentagung finden Sie unter: www.kirche-oldenburg.de/kirche-gemeinden/synode/1048-synode.html 

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